Besucht bei einem Kreuzfahrtanlauf: vormittags mit dem Boot nach Hesteyri, danach noch Zeit im Ort. Alle Zahlen unten sind im September 2026 geprüft und mit Quelle versehen — wo für 2026 nichts veröffentlicht ist, steht es ausdrücklich dabei.
Ísafjörður ist einer der einfachsten Häfen Islands ohne Reederei-Ausflug — und einer der wenigen, bei denen sich die Frage „an Land oder aufs Wasser“ wirklich stellt. Vom Kai sind es 800 Meter ins Zentrum, der historische Handelsplatz Neðstikaupstaður mit den vier ältesten Holzhäusern Islands liegt auf dem Weg, und mehr braucht die Stadt nicht. Alles Weitere hängt am Verkehr: Dynjandi, Bolungarvík und Súðavík sind ohne Mietwagen oder Taxi praktisch nicht zu erreichen, und am Wochenende fährt in Ísafjörður gar kein Linienbus. Schwierigkeit: 1 von 5 für die Stadt, 4 von 5 für alles außerhalb.
Ísafjörður auf einen Blick
| Liegeplätze | Sundabakki 1 und 2 (je 190 m, 8,5 m Tiefgang), Ásgeirsbakki (270 m, 7,2 m), Mávagarður (100 m, 8,0 m) |
| Neu seit der Kaiverlängerung | Der Hauptkai misst jetzt 500 Meter bei 10 Metern Tiefe. Schiffe bis 330 Meter Länge liegen längsseits statt auf Reede. |
| Kai bis Zentrum | 800 Meter, flach am Wasser entlang |
| Neðstikaupstaður | Vier Holzhäuser von 1757 bis 1784, seit 1975 denkmalgeschützt — am Weg vom Kai in die Stadt |
| Westfjords Heritage Museum | 1.5.–31.8. täglich 9–17 Uhr, 1.–15.9. täglich 11–15 Uhr. Erwachsene 1.600 ISK, Senioren und Studierende 1.200 ISK, Kinder frei. Angabe der Saison 2025; für 2026 ist nichts veröffentlicht. |
| Schwimmbad Sundhöll | Im Sommer Mo–Fr 10–21 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr. 1.420 ISK, unter 18 frei. |
| Hesteyri | Rund 70 Minuten mit dem Boot ab dem Hafen — der eigentliche Grund, hier anzulegen |
| Walbeobachtung | 2,5 Stunden, Abfahrt 10 Uhr vom weißen Container am Hafen, 30 Minuten vorher da sein |
| Stadtbus | 350 ISK je Fahrt, unter 18 frei. Samstags, sonntags und feiertags fährt nichts. Keine Linie nach Bolungarvík oder Súðavík. |
| Mietwagen | Nur am Flughafen, rund 5 km außerhalb. Hertz Mo–Fr 8–16 Uhr, am Wochenende geschlossen. |
| Rückkehrpuffer | 45 Minuten vor Bordzeit, wenn Sie in der Stadt geblieben sind. Bei einer Bootstour richtet sich alles nach deren Rückkehrzeit. |
| Saison | 176 Kreuzfahrtanläufe zwischen Mai und Oktober 2026 |
Wo liegt das Schiff in Ísafjörður?
Der Hafen hat vier Kais: Sundabakki 1 und 2 mit je 190 Metern und 8,5 Metern Tiefgang, den 270 Meter langen Ásgeirsbakki mit 7,2 Metern und den kurzen Mávagarður mit 8 Metern. Beschränkungen bei Breite oder Durchfahrtshöhe gibt es nicht.
Wichtiger ist, was sich geändert hat: Der Hauptkai wurde von 190 auf 500 Meter verlängert und auf 10 Meter vertieft. Seitdem liegen auch Schiffe bis 330 Meter Länge längsseits, die vorher hätten tendern müssen. Wenn Sie in einem älteren Hafenführer lesen, Ísafjörður sei ein Tenderhafen, ist das der Stand vor dieser Erweiterung. Die Reede wird weiter genutzt, wenn die Kais belegt sind — größenbedingt notwendig ist sie nicht mehr.
Vom Kai bis ins Zentrum sind es 800 Meter, flach und am Wasser entlang. Kein Shuttle, kein Ticket, keine Entscheidung. Der historische Handelsplatz Neðstikaupstaður liegt auf halbem Weg, Sie kommen also ohnehin daran vorbei.
Was die Stadt zu Fuß hergibt
Ísafjörður hat rund 2.700 Einwohner und liegt auf einer Sandbank, die in den Skutulsfjörður hineinragt, mit Bergen auf drei Seiten. Die Stadt ist in einer Stunde abgegangen, und das ist keine Abwertung — es heißt nur, dass Sie den Rest des Tages frei einteilen können.
Der Kern ist Neðstikaupstaður, der alte Handelsplatz direkt am Weg vom Kai. Vier Holzhäuser stehen dort, und sie gehören zu den ältesten erhaltenen Gebäuden Islands: die Krambúðin von 1757 — das älteste Haus des Landes, das noch steht —, das Faktorshúsið von 1765, das Tjöruhúsið von 1781 und das Turnhúsið von 1784. Seit 1975 stehen alle vier unter Denkmalschutz. Im Turnhúsið sitzt das Westfjords Heritage Museum mit der Seefahrts- und Fischereisammlung der Region.
Ein Hinweis, der in anderen Hafenführern noch fehlt: Das Tjöruhúsið, das als Fischrestaurant über die Westfjorde hinaus bekannt war, wurde im August 2025 vom isländischen Finanzamt versiegelt. Der Betreiber nannte fehlende Unterlagen als Grund, nicht Schulden. Ob es 2026 wieder geöffnet hat, ist nicht belegt — das Tourismusportal der Westfjorde führt es weiterhin, aber verlassen Sie sich nicht darauf, und rufen Sie vorher an, wenn es Ihr Mittagessen werden soll.
Was sonst noch im Ort liegt: die Kirche, ein paar Cafés, und das Schwimmbad Sundhöll Ísafjarðar mit 16-Meter-Halle, Hot Pots und Sauna — im Sommer werktags von 10 bis 21 Uhr, am Wochenende bis 17 Uhr, für 1.420 ISK. Für einen Hafentag in den Westfjorden ist das eine ernst gemeinte Empfehlung: ein isländisches Schwimmbad ist kein Freizeitbad, sondern der Ort, an dem die Stadt zusammenkommt.
Das Boot nach Hesteyri: der eine Ausflug, den dieser Hafen wirklich hat
Ísafjörður ist der einzige Ausgangspunkt für Hesteyri, ein Dorf im Naturschutzgebiet Hornstrandir, das 1952 endgültig verlassen wurde und nur per Boot erreichbar ist. Rund 70 Minuten über den Fjord, zwölf erhaltene Häuser, keine Straße, kein Strom, kein Handynetz.
Genau das habe ich an meinem Hafentag gemacht, und es ist der Grund, warum dieser Anlauf im Gedächtnis bleibt — nicht die Stadt. Die Fahrt beginnt am Servicecontainer im Hafen, wenige Schritte vom Kreuzfahrtkai entfernt. Was die verschiedenen Varianten kosten, wann sie fahren und für wen die Reederei-Variante trotz allem die vernünftige Wahl ist, steht ausführlich im eigenen Artikel zu Hesteyri.
Die kurze Fassung für die Planung: Es gibt planmäßige Boote für Wanderer, eine Tagestour von rund zehn Stunden und den Reederei-Ausflug von etwa viereinhalb Stunden. Bei einem kurzen Anlauf ist der Reederei-Ausflug hier ausnahmsweise die richtige Entscheidung — weil alles an einem einzigen Boot hängt und das Schiff nicht auf Sie wartet, wenn die See dazwischenkommt.

Walbeobachtung ab dem Hafen
Die zweite Wasser-Variante passt in fast jeden Anlauf: Walbeobachtung im Ísafjarðardjúp, zweieinhalb Stunden, Abfahrt um 10 Uhr. Treffpunkt ist derselbe weiße Container am Hafen, und man soll eine halbe Stunde vorher da sein. Die Boote fahren ab 15 Gästen und nehmen höchstens 40; Mindestalter vier Jahre, wetterfeste Kleidung wird nicht gestellt. Mehrere örtliche Anbieter fahren dieselbe Strecke, darunter Borea Adventures, Wild Westfjords und Sjóferðir, die auch die Hornstrandir-Boote betreiben.
Den Preis gebe ich hier bewusst nicht an — die kursierenden Zahlen stammen von Wiederverkäufern, eine offizielle Preisliste für 2026 ist nicht veröffentlicht. Fragen Sie direkt beim Anbieter, und buchen Sie vorher: 40 Plätze sind an einem Tag mit zwei Schiffen schnell weg.
Dynjandi, Bolungarvík, Súðavík — und warum das schwierig wird
Die drei Ziele außerhalb der Stadt stehen auf jeder Ausflugsliste. Auf eigene Faust sind sie unterschiedlich gut erreichbar, und bei einem davon lautet die ehrliche Antwort: gar nicht.
Dynjandi, der hundert Meter hohe Stufenwasserfall und seit 1981 Naturdenkmal, liegt rund eineinhalb Stunden Fahrt entfernt an der Straße 60, seit dem Dýrafjarðargöng-Tunnel von 2020 ohne den alten Pass Hrafnseyrarheiði. Der Eintritt ist frei, der Weg vom Parkplatz zum obersten Fall etwa einen Kilometer lang und uneben; die Zeitangaben dafür schwanken zwischen 15 und 30 Minuten. Der Pass Dynjandisheiði ist im Winter häufig gesperrt, die Saison reicht praktisch von Juni bis Anfang September.
Bolungarvík erreicht man durch den 5,4 Kilometer langen Bolungarvíkurgöng-Tunnel von 2010. Dort steht Ósvör, der Nachbau einer Fischerstation des 19. Jahrhunderts: vom 10. Juni bis 20. August täglich 10 bis 16 Uhr, 1.700 ISK für Erwachsene ab 16, 1.500 ISK ab 67, Kinder bis 15 frei.
Súðavík liegt rund 20 Kilometer entfernt und hat mit dem Arctic Fox Centre das einzige Polarfuchs-Museum Islands. Öffnungszeiten und Eintritt gebe ich nicht an: Die Angaben des Betreibers und des Tourismusamts widersprechen sich, und in beiden fehlt ausgerechnet der August. Schreiben Sie dem Zentrum, bevor Sie ein Taxi bestellen.
Bus, Taxi, Mietwagen — und die Wochenendfalle
Hier liegt der Punkt, an dem die meisten Pläne für Ísafjörður scheitern.
Der Stadtbus fährt vier Linien — Holtahverfi, Hnífsdalur, Suðureyri und Flateyri/Þingeyri —, kostet 350 ISK je Fahrt und ist für unter 18-Jährige frei. Zwei Einschränkungen: Samstags, sonntags und an Feiertagen fährt er überhaupt nicht, und es gibt keine Linie nach Bolungarvík oder Súðavík. Seit Januar 2026 kann im Bus mit Karte gezahlt werden.
Der Fernbus nach Þingeyri, Dynjandi und weiter nach Patreksfjörður fährt nur montags, mittwochs und donnerstags, und das nur von Anfang Juli bis Ende August. Entscheidend ist aber die Uhrzeit: Er verlässt Ísafjörður erst um 14:50 Uhr, während der Gegenbus schon um 14:05 Uhr ankommt. Eine Tagesrückkehr von Dynjandi ist damit nicht möglich. Wer das in einem Hafenführer anders liest, hat den Fahrplan nicht gelesen.
Mietwagen gibt es nur am Flughafen, rund fünf Kilometer außerhalb, und Hertz hat dort werktags von 8 bis 16 Uhr geöffnet — am Wochenende geschlossen. Fällt Ihr Anlauf auf einen Samstag oder Sonntag, fallen Bus und Mietwagen gleichzeitig aus.
Bleibt das Taxi, das vorab bestellt werden muss, und Fahrräder aus dem Ort. Belastbare Preise für beides sind nicht veröffentlicht; wer nach Bolungarvík oder Súðavík will, sollte vor der Reise schreiben und sich einen Preis nennen lassen.
Unter dem Strich: An einem Wochentag im Hochsommer ist Dynjandi mit einem Mietwagen machbar. An allen anderen Tagen ist die ehrliche Empfehlung, entweder aufs Wasser zu gehen oder bei der Stadt zu bleiben — oder für das Umland den Reederei-Ausflug zu nehmen.
Wie viel Puffer bis zur Bordzeit?
Wenn Sie in der Stadt bleiben, reichen 45 Minuten. Die 800 Meter zurück zum Kai sind flach, und das Schiff ist von fast überall zu sehen.
Sobald ein Boot im Spiel ist, gilt etwas anderes: Dann bestimmt dessen Rückkehrzeit den Tag, nicht Ihre Planung. Vergleichen Sie die angekündigte Rückkehr mit der Bordzeit und lassen Sie mindestens anderthalb Stunden dazwischen. Und bei einer eigenen Fahrt ins Umland rechnen Sie den Rückweg zweimal: einmal mit der geplanten Verbindung, einmal ohne sie.
Fotonotizen
Das Motiv dieses Hafens ist der Hafen selbst, und zwar vom Wasser aus. Wenn Sie ohnehin auf ein Boot gehen, drehen Sie sich in den ersten Minuten um: Kreuzfahrtschiff und Frachter liegen dort nebeneinander am Kai, dahinter steigen die Berge steil aus dem Fjord auf, und der Maßstab wird erst von draußen lesbar. Vom Kai aus bekommen Sie dieses Bild nicht.
An Land ist das Licht die eigentliche Frage. Die Stadt liegt zwischen hohen Wänden, das heißt lange Schatten am Vormittag und ein kurzes, flaches Fenster über Mittag. Die alten Holzhäuser von Neðstikaupstaður tragen bei bedecktem Himmel mehr als bei Sonne — Teerschwarz und verwittertes Holz brauchen kein hartes Licht.
Quellen: Hafen Ísafjörður · Cruise Iceland — Hafendaten · Westfjords Heritage Museum · Ósvör, Gemeinde Bolungarvík · Stadtbus Ísafjarðarbær · Westfjords Adventures — Fernbusfahrplan · Visit Westfjords
Mehr dazu: Hesteyri: mit dem Boot ins verlassene Dorf · Alle Landausflüge auf eigene Faust · Mehr aus Island · Geiranger auf eigene Faust
Geschrieben von Jan Madeus — Bordvideograf, seit 2008 auf See. Ich gehe in denselben Häfen von Bord wie die Gäste, mit denselben paar Stunden und derselben Bordzeit. Mehr über mich.
