Funchal Altstadt am Abend: Was sich lohnt und was es kostet

by Jan Madeus
Funchal at sunset from Miradouro do Pinaculo east of the city, bay and city lights below a red sky

Besucht: Oktober 2026, bei einem Übernachtungsanlauf der MS Amadea. Die Bilder und die Preise auf den Speisekarten stammen von diesem Abend.

Funchals Altstadt ist nach Sonnenuntergang eine andere Stadt als am Vormittag. Vom Liegeplatz sind es 1,6 Kilometer und 20 bis 25 Minuten zu Fuß, flach am Wasser entlang — ein Ausflug ist dafür nicht nötig. Die Rua de Santa Maria füllt sich gegen 19 Uhr, das Essen dort kostet weniger, als ihr Ruf vermuten lässt, und die zwei Dinge, die wirklich einen Bus brauchen, sind die Aussichtspunkte oben am Hang.

Menschen in der abendlichen Rua de Santa Maria in Funchals Altstadt, beleuchtete Terrassen zu beiden Seiten
Die Altstadt ab etwa 19 Uhr: Die Gasse füllt sich, die Tische kommen raus, die Ausflugsbusse sind weg.

Wann wird es in Funchal dunkel?

Madeira liegt weit westlich, die Insel läuft aber in der westeuropäischen Zeitzone. Deshalb geht die Sonne spät unter. Im Oktober 2026 waren es am 1. Oktober 19:55 Uhr, am 16. Oktober 19:36 Uhr und am 24. Oktober 19:27 Uhr. In der Nacht zum 25. Oktober wird die Uhr zurückgestellt — am 25. Oktober war Sonnenuntergang um 18:26 Uhr, am 31. Oktober um 18:20 Uhr.

Das ist der Grund, warum die meisten Schiffe den Abend in Funchal gar nicht sehen: Wer um 18 Uhr ausläuft, ist weg, bevor die Stadt anfängt. Die brauchbare Zeitspanne für die Aussichtspunkte beginnt etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang — dann steht die Sonne tief genug, dass die Ostklippen rot werden, und die Stadt hat ihre Beleuchtung bereits an.

Wie kommt man abends vom Schiff in die Altstadt?

Zu Fuß. Der Weg vom Hafentor über die Avenida do Mar zur Altstadt ist 1,6 Kilometer lang, völlig flach, beleuchtet und führt am Jachthafen entlang. Ich habe 20 bis 25 Minuten gebraucht, hin wie zurück. Es gibt keinen Grund, dafür Geld auszugeben.

Wer trotzdem fahren will: Das offizielle Taxi vom Terminal ins Zentrum kostet pauschal 7,50 € für bis zu vier Personen; die Wagen sind gelb mit blauem Streifen. Die meisten Reedereien fahren zusätzlich einen kostenpflichtigen Shuttle, dessen Preis an Bord angesagt wird.

Taxi fährt durch eine beleuchtete Gasse der Altstadt von Funchal bei Nacht
Lichtspur eines Fahrzeugs vor einem gelben Altstadthaus in Funchal bei Nacht

Die zwei Aussichtspunkte über Funchal

Funchal liegt in einem Talkessel, den die Tourismusbehörde zu Recht ein natürliches Amphitheater nennt. Von unten sieht man das nicht. Deshalb sind die Aussichtspunkte am Hang der einzige Teil dieses Abends, für den sich ein Fahrzeug lohnt — beide liegen mehrere Kilometer und einige hundert Höhenmeter außerhalb der Altstadt und sind an einem Abend zu Fuß nicht zu schaffen.

Miradouro da Nazaré liegt 164 Meter über dem Meer, westlich der Stadt im Gemeindegebiet São Martinho. Von dort sieht man über die Bucht nach Osten: die Hafenmole mit dem Schiff, den Jachthafen, und dahinter die Steilküste, die in den letzten Minuten vor Sonnenuntergang rot wird. Das ist der bessere der beiden Punkte, wenn das eigene Schiff mit aufs Bild soll.

Blick vom Miradouro da Nazaré über Funchals Bucht auf das Kreuzfahrtschiff und die rot beleuchtete Steilküste
Miradouro da Nazaré, 164 Meter: die Bucht nach Osten, mit dem Schiff an der Mole.

Miradouro do Pináculo liegt mit 283 Metern deutlich höher, an der Rua Conde Carvalhal in São Gonçalo, am östlichen Ende des Stadtgebiets — an der Straße, auf der man Richtung Caniço und Flughafen fährt. Von dort sieht man das Gegenteil: die ganze Stadt von der Seite, wie sie die Hänge hinaufläuft, mit der Sonne über dem offenen Atlantik. Hier entsteht das Bild, das man von Funchal im Kopf hat — ein Lichterteppich vom Wasser bis in die Wolken.

Rechnen Sie an beiden Punkten mit zehn bis fünfzehn Minuten; länger hält das Licht nicht. Beides sind Haltebuchten an der Straße, keine angelegten Terrassen: Wer spät kommt, steht hinter einem Bus.

Parkplatz an einem Aussichtspunkt über Funchal in der blauen Stunde mit Straßenlaterne und Meer
Die Aussichtspunkte sind Haltebuchten an der Straße, keine Anlagen.

Was die Rua de Santa Maria am Abend ist

Die Rua de Santa Maria ist die lange Gasse der Altstadt, bekannt für die über zweihundert bemalten Türen, die seit 2011 entstanden sind. Am Vormittag ist sie eine Fotogelegenheit. Am Abend ist sie eine Gastronomiemeile.

Der Unterschied ist größer, als man denkt. Zwischen 19 und 20 Uhr werden die Tische bis in die Gassenmitte gestellt, die Terrassen füllen sich, und vor fast jedem Lokal steht jemand, der Gäste anspricht. Wer in Ruhe die Türen ansehen will, kommt morgens. Wer essen will, kommt abends — aber mit der Erwartung, dass er angesprochen wird.

Besetzte Restaurantterrasse mit weißen Schirmen und Kellner in der Rua de Santa Maria in Funchal am Abend
Gäste an Tischen vor einer Bar in der Rua de Santa Maria in Funchal in der Abenddämmerung

Zwei Gassen weiter ist davon nichts mehr übrig. Die Seitenstraßen der Zona Velha sind abends leer, und das ist kein Mangel, sondern der Grund, hier überhaupt zu Fuß zu gehen: Zwei Minuten von der vollsten Terrasse Funchals steht man allein in einer Gasse mit einer Laterne.

Leere Kopfsteinpflastergasse der Altstadt von Funchal bei Nacht mit einer Straßenlaterne
Dunkle Seitengasse in Funchals Zona Velha mit geschlossenen Fensterläden bei Nacht

Was kostet das Essen in der Altstadt von Funchal?

Das sind die Preise von zwei Speisekarten, fotografiert am selben Abend im Oktober 2026. Das eine Haus ist ein gewöhnliches Lokal an der Gasse mit fünfsprachiger Tafel, das andere das Panoramic View am Madeira Story Centre, das die Aussicht verkauft. Nebeneinander erklären sie mehr über die Altstadt als jede Bewertung.

Gericht Gasse (Okt. 2026) Panoramic View (Okt. 2026)
Tagessuppe 4,10 € 4,50 €
Fischsuppe 4,95 € 6,90 €
Gemischter Salat 9,95 € 11,50 € (mit Frischkäse)
Melone mit Rohschinken 9,95 € 12,50 €
Spaghetti Bolognese 10,95 € 14,90 €
Schwarzer Degenfisch, Filet 13,75 € 16,90 €
Thunfischsteak 13,75 € 17,50 €
Herzmuscheln „Bulhão Pato“ 13,50 € 14,90 €
Fischrisotto 14,95 € 17,90 € (Garnelen)
Gegrillter Tintenfisch 15,10 € 19,90 €
Tintenfisch „Lagareiro“ 19,95 € 22,90 €
Gegrillte Gambas 19,95 € —
Gambas Tigre 27,90 € —
Paella / Cataplana, 2 Personen — 45,00 €
Tagesfisch 40,00 € / kg —

Der günstigste Teller mit Fisch in der Gasse waren gegrillte Sardinen für 9,95 €, die günstigste Pasta Spaghetti Carbonara oder Bolognese für 10,95 €. Nach oben reicht die Karte bis 27,90 € für Gambas Tigre und 40 € pro Kilo für den Tagesfisch, der nach Gewicht abgerechnet wird — das ist die Position, bei der Rechnungen überraschend ausfallen.

Fünfsprachige Speisekarte eines Restaurants in Funchals Altstadt mit Preisen für Fisch, Pasta und Risotto
Aushängende Speisekarte des Restaurants Panoramic View am Madeira Story Centre in Funchal mit Preisen

Links die Gasse, rechts das Panoramic View am Madeira Story Centre. Beide Karten im Oktober 2026 fotografiert.

Lohnt sich die Rua de Santa Maria zum Essen?

Ja, mit zwei Einschränkungen — und das ist nicht die Antwort, die ich erwartet hatte.

Die verbreitete Annahme ist, dass eine so volle Touristengasse überteuert sein muss. Die Karten sagen etwas anderes. Ein Filet vom schwarzen Degenfisch, dem Inselfisch, für 13,75 €, gegrillte Sardinen für 9,95 € und eine Suppe für 4,10 € sind für eine Fußgängerzone in einer europäischen Inselhauptstadt im Oktober 2026 eher am unteren Rand. Zum Vergleich: dasselbe Degenfischfilet kostet im Haus mit Aussicht 16,90 €, also 23 Prozent mehr, und die Spaghetti Bolognese dort 36 Prozent mehr. Für die Aussicht zahlt man in Funchal ungefähr ein Viertel bis ein Drittel Aufschlag.

Die erste Einschränkung ist die Berechnungsart. Teuer wird es bei allem, was nach Gewicht geht oder aus der Schale kommt: Tagesfisch 40 € pro Kilo, Gambas Tigre 27,90 €, Tintenfisch mit Gambas 20,95 €. Wer dort hineinrutscht, zahlt am Ende das Doppelte dessen, was er beim Hinsetzen im Kopf hatte.

Die zweite Einschränkung ist die Auswahl. Häuser, die ihre Gerichte als Fotos auf eine Tafel vor die Tür stellen — das O Piano Restaurante tut es, andere auch — rechnen mit Gästen, die einmal kommen. Wo die Karte nur aus Text besteht und in fünf Sprachen übersetzt ist, war das Preisniveau niedriger. Das ist kein Qualitätsurteil, sondern eine Beobachtung, die an diesem Abend durchgehend zutraf.

Tafel mit fotografierten Gerichten vor einem Restaurant in Funchals Altstadt, ohne Preisangaben
Ausgelegter Fisch und Meeresfrüchte in der Auslage eines Restaurants in Funchals Altstadt

Der Supermarkt in der Altstadt ist teurer als jedes Restaurant

Der interessanteste Preis des Abends stand nicht auf einer Speisekarte. Im Supermarkt am Madeira Story Centre, mitten in der Altstadt und abends geöffnet, kostete das Kilo Maracujá 22,50 €, die Granadilla 23,99 €. Zwei Kisten weiter lagen Kiwis für 5,90 € und Nektarinen und gelbe Pfirsiche für je 5,50 € das Kilo.

Das ist derselbe Mechanismus wie in der Markthalle am Vormittag: Was als Souvenir mitgeht, kostet ein Vielfaches von dem, was als Lebensmittel gekauft wird. Wer Passionsfrucht probieren will, bestellt sie besser auf dem Teller — der Degenfisch mit Banane oder Passionsfrucht kostete an diesem Abend 13,75 €.

Obstkisten mit Preisschildern in einem Supermarkt in Funchals Altstadt, Maracuja zu 22,50 Euro das Kilo
Beleuchteter Eingang des Supermarkts am Madeira Story Centre in Funchals Altstadt am Abend

Lohnt sich der Abendausflug der Reederei?

Geteilt. Für die Altstadt nicht: Sie liegt 1,6 Kilometer vom Schiff entfernt, der Weg ist flach und beleuchtet, und eine Gasse mit Restaurants braucht keine Führung. Für die Aussichtspunkte schon — sie liegen oben am Hang, sind zu Fuß nicht erreichbar, und ein Taxi, das zweimal wartet, ist in der Summe keine offensichtlich bessere Lösung.

Die sinnvolle Mischform, wenn das Schiff über Nacht liegt: den Ausflug für die Aussichtspunkte nehmen und sich in der Altstadt absetzen lassen, statt mit dem Bus zurückzufahren. Dann hat man das Licht oben und den Abend unten, und den Rückweg zu Fuß in 20 bis 25 Minuten.

Und unabhängig davon: Wenn das Schiff nicht übernachtet, planen Sie 45 bis 60 Minuten Puffer vor All-aboard ein. Der Rückweg von der Altstadt fühlt sich länger an als der Hinweg, weil er leicht ansteigt und weil man ihn im Dunkeln geht.

Funchal bei Nacht fotografieren

Drei Dinge, die an diesem Abend funktioniert haben, und eines, das nicht funktioniert hat.

Die Aussichtspunkte: zu früh kommen. Das Zeitfenster, in dem die Stadtbeleuchtung schon an und der Himmel noch nicht schwarz ist, dauert etwa 25 Minuten und beginnt ungefähr mit dem Sonnenuntergang. Danach ist der Himmel ein Loch, und das Bild besteht nur noch aus Punkten.

Die leeren Gassen, nicht die vollen. Die Terrassen sind hell, bunt und von allen fotografiert. Interessanter sind die Querstraßen: eine Laterne, nasses Pflaster, eine Wand. Dort ist der Kontrast handhabbar und das Bild nicht austauschbar.

Bewegung zulassen. Ein vorbeifahrendes Taxi in der engen Gasse, lange Zeit, an einer Hauswand abgestützt — das ergibt ein Bild, das die Gasse zeigt und nicht nur die Fassade.

Nicht funktioniert hat die Innenaufnahme durch die offene Restauranttür. Warmes Kunstlicht, dunkle Decke, Gäste in Bewegung: Der Weißabgleich lässt sich retten, die Bewegungsunschärfe an den Tischen nicht. Entweder man geht hinein und fragt, oder man lässt es.

Blick durch die offene Front eines gut besuchten Restaurants in Funchals Altstadt am Abend
Poncha-Bar mit Holztischen und Gästen an einer Ecke der Altstadt von Funchal am Abend

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde

Früher oben sein. Wir waren an beiden Aussichtspunkten im richtigen Licht, aber mit wenig Spielraum — an einem Punkt reichte es für zwei Standpunkte, nicht für vier. Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang oben zu sein, kostet nichts und verdoppelt die Auswahl.

Und beim Essen: nicht am Anfang der Gasse stehen bleiben. Die ersten Terrassen sind die vollsten und die am stärksten beworbenen. Die Preise unterscheiden sich über die Länge der Gasse kaum — die Ruhe schon.

Quellen: Visit Madeira — Aussichtspunkte in Funchal · Speisekarten und Preisschilder vor Ort, Oktober 2026 · Sonnenuntergangszeiten Funchal, Oktober 2026

Mehr dazu: Funchal auf eigene Faust: ein halber Tag in Madeiras Hauptstadt · Lissabon auf eigene Faust: Alfama, Queluz und Cabo da Roca · Alle Landausflüge auf eigene Faust · Read this article in English

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