Sete Cidades, Azoren: im Geländewagen in den Krater

by Jan Madeus
Lagoa Verde and Lagoa Azul seen from the Vista do Rei viewpoint above Sete Cidades

Besucht: 1. Oktober 2026, bei einem Übernachtungsanlauf der MS Amadea in Ponta Delgada. Abfahrt kurz vor neun, zurück an der Gangway um Viertel nach zwölf. Preise und Regeln geprüft im Oktober 2026 — vor der eigenen Reise an den verlinkten Quellen nachsehen.

Sete Cidades ist ein Krater von rund fünf Kilometern Durchmesser am Westende von São Miguel, mit zwei Seen auf dem Grund und einem Dorf von knapp achthundert Menschen dazwischen. Vom Kreuzfahrtterminal Ponta Delgada sind es etwa vierzig Minuten pro Richtung. Der Schiffsausflug im Geländewagen kostet 75 Euro und ist mit dreieinhalb Stunden ausgeschrieben; unserer dauerte dreieinviertel. Bezahlt wird dabei nicht die Erklärung unterwegs, sondern die unbefestigte Piste auf dem Kraterrand — dorthin kommt kein Mietwagen, und streckenweise ist sie für den allgemeinen Verkehr gesperrt.

Der Ausflug auf einen Blick

LiegeplatzTerminal Portas do Mar, mitten in Ponta Delgada. Rund 200 m bis zum Hafentor, weitere 350 m ins Zentrum.
DauerAusgeschrieben 3,5 Stunden. Unsere Fahrt: 8:55 bis 12:15 Uhr, vier Stopps, ohne Hetze.
Preis75 € pro Person als Schiffsausflug, Herbst 2026. Örtliche Anbieter in Ponta Delgada verkaufen vergleichbare Halbtagestouren.
KraterEtwa 5 km Durchmesser. Azoreanische Quellen nennen 5,3 km und bis zu 630 m Höhenunterschied; die geologische Beschreibung nennt 6 × 5 km und Wandhöhen von 200–500 m.
See4,35 km², maximal 33 m tief, Wasserspiegel auf 259 m. Hydrologisch ein einziger See, nicht zwei.
Vista do Rei544 m über dem Meer
Zu FußPR4 SMI Mata do Canário – Sete Cidades, 12,1 km über den Kraterrand, rund 3,5 Stunden, 643 Höhenmeter bergab. Streckenwanderung, kein Rundweg.
VerbotenBaden in den Seen; Zelten außerhalb des offiziellen Platzes im Dorf
Anspruch1 von 5 — man wird gefahren. Für Gäste mit Rückenproblemen nicht geeignet, die Piste ist rau.

Wo das Schiff in Ponta Delgada liegt

Die Schiffe liegen an Portas do Mar, dem Terminal, das in die Uferfront der Stadt hineingebaut ist. Von der Gangway sind es etwa 200 Meter bis zum Hafentor und weitere 350 ins Zentrum. Einen Shuttle gibt es nicht, weil es nichts zu shutteln gibt.

Die Geländewagen stehen in einer Reihe am Kai, direkt unter der Bordwand. Das ist praktisch, wenn man sich erst am Morgen entscheidet: Man sieht vorher, worauf man sich einlässt.

Land Rovers lined up on the quay beside a cruise ship at Ponta Delgada
Motorway sign for Mosteiros and Capelas with a Land Rover ahead, São Miguel

Der Weg hinaus: eine gepflanzte Landschaft

Die Strecke führt zunächst nach Norden — Capelas, Santo António, Santa Bárbara — durch Weideland, das aussieht wie der Naturzustand der Insel und keiner ist.

Als die Portugiesen im 15. Jahrhundert kamen, war São Miguel unbewohnt und von Lorbeerwald bedeckt. Davon ist wenig übrig. Was heute hier steht, ist Weide und Cryptomeria japonica, die japanische Sicheltanne, im 19. Jahrhundert als Nutzholz eingeführt. Die regionale Forstverwaltung zählt heute 12.698 Hektar Kryptomerienbestände, etwa ein Drittel der Waldfläche des Archipels. Auch die Hortensien am Straßenrand stammen aus Asien.

Das lohnt sich zu wissen, bevor die Aussichtspunkte anfangen. Fast alles Grüne, das hier fotografiert wird, ist absichtlich dort hingesetzt worden.

Was man dort oben eigentlich sieht

Hinter Remédios biegt die Straße ab und steigt bis zum Rand.

Was von dort zu sehen ist, war einmal ein Berg. Vor rund 36.000 Jahren entleerte sich die Magmakammer unter Sete Cidades, und der Gipfel sackte in den Hohlraum nach. Der Einbruch geschah in Phasen — die geologische Überlieferung datiert sie auf etwa 35.700, 28.750 und 15.740 Jahre vor heute. Zurück blieb ein fast kreisrunder Kessel, auf dessen Grund Wasser steht.

Die Zahlen hängen davon ab, welcher Quelle man folgt. Azoreanische Darstellungen nennen 5,3 Kilometer Durchmesser und bis zu 630 Meter vom höchsten Punkt des Randes bis zum See. Die geologische Literatur beschreibt den Kessel als 6 mal 5 Kilometer mit Wänden zwischen 200 und 500 Metern. Beides ist vertretbar; gemessen wird Unterschiedliches. Am Rand selbst zählt die Zahl, die man spürt: Der Wasserspiegel liegt auf 259 Metern, der Rand darüber auf weit über 800.

The whole Sete Cidades caldera from above, village and fields on the crater floor
Sete Cidades caldera from the rim with both lakes, the bridge and the village below

Blauer See, grüner See — und warum

Die beiden Seen sind ein See. Lagoa Azul und Lagoa Verde sind unter dem Damm, der zwischen ihnen hindurchführt, miteinander verbunden; hydrologisch ist es ein einziges Gewässer von 4,35 Quadratkilometern und höchstens 33 Metern Tiefe. Was sich unterscheidet, sind Tiefe, Bewuchs der Hänge darüber und Lichteinfall.

Die Legende von der Prinzessin mit den blauen und dem Hirten mit den grünen Augen, und von den Tränen beim Abschied, ist die schönere Erklärung. Die Geologie ist die nachprüfbare.

Höher am Rand liegt die Lagoa de Santiago, ein eigener kleiner Krater über den großen Seen, dunkelgrün und beinahe kreisrund. Es ist das Motiv, das die meisten verpassen, weil der berühmte Blick in die andere Richtung geht.

Blue and green lakes of Sete Cidades with the causeway between them, São Miguel
Lagoa de Santiago, a small crater lake in steep wooded walls above Sete Cidades

Das Dorf auf dem Kratergrund

Im Kessel liegt das Dorf Sete Cidades — 793 Einwohner bei der Volkszählung 2011, von der übrigen Insel durch die Kraterwand getrennt. Besiedelt wurde das Tal spät, nachdem der Grundbesitzer José Bettencourt Flächen im Krater zur Verfügung gestellt hatte.

Die Kirche São Nicolau steht am Ende einer eigens dafür gepflanzten Kryptomerienallee, an deren Anfang zwei mächtige Araukarien stehen. Sie geht auf ein Gelübde zurück, das Oberst Nicolau Maria Raposo de Amaral (1770–1865) und seine Frau Teresa Ermelinda Rebelo 1849 ablegten; den neugotischen Entwurf lieferte Manuel Lamberto Monteiro, geweiht wurde sie am 16. August 1857.

Davor steht eine Steintafel mit Azulejos. Das Dorf dankt darauf einem Agraringenieur — Caetano de Andrade Albuquerque Bettencourt, 1913 bis 1982, die Tafel von August 1998. Keinem Heiligen, keinem Seefahrer. Einem Mann, der mit Böden zu tun hatte. Auf einer Insel aus gepflanztem Wald und importierter Weide ist das ein ehrlicheres Denkmal als die meisten.

Avenue of cryptomerias and hydrangeas leading to the church of São Nicolau, Sete Cidades
Azulejo plaque at Sete Cidades honouring the agronomist Caetano de Andrade Albuquerque Bettencourt

Vista do Rei und ein Hotel, das achtzehn Monate hielt

Der bekannteste Aussichtspunkt am Rand liegt auf 544 Metern und heißt Vista do Rei, weil König Carlos I. und Königin Amélia am 6. Juli 1901 dort standen.

Daneben eine Ruine. Das Monte Palace war ein Fünf-Sterne-Hotel mit 88 Suiten, zwei Restaurants, Läden und Nachtclub. Es eröffnete im April 1989 und war Ende 1990 wieder geschlossen — rund achtzehn Monate Betrieb. Gebaut wurde es für diese Aussicht, auf einem Kraterrand, der die meiste Zeit im Nebel liegt. Betreten ist heute verboten, die Bausubstanz ist nicht sicher.

Warum Geländewagen und nicht Mietwagen?

Das ist die einzige Frage, die bei diesem Ausflug wirklich zählt.

Die asphaltierten Aussichtspunkte — Vista do Rei, der Parkplatz an der Boca do Inferno, das Dorf selbst — sind alle mit einem normalen Mietwagen erreichbar. Wer nur die will, mietet am Terminal ein Auto und behält die 75 Euro. Was mit dem Mietwagen nicht geht, ist die Piste oben auf dem Kraterrand: unbefestigt, ausgefahren, direkt an der Kante, auf der einen Seite der Atlantik, auf der anderen der Kessel. Teils ist sie für normale PKW schlicht nicht befahrbar. Teils ist sie von den Behörden für den allgemeinen Verkehr gesperrt, und die Veranstalter haben die Genehmigungen.

Wir sind ein gutes Stück davon bei klarem Wetter gefahren, was auf diesem Rand die Ausnahme ist und nicht die Regel. Dafür zahlt man.

Man kann den Rand auch zu Fuß gehen, und das kostet nichts: Der markierte PR4 SMI Mata do Canário – Sete Cidades führt 12,1 Kilometer über den Grat und hinunter ins Dorf, rund dreieinhalb Stunden, 643 Höhenmeter bergab. Er ist eine Streckenwanderung, kein Rundweg — man braucht also an einem Ende ein Fahrzeug. Und an einem Hafentag ist er nicht ein Teil des Tages, sondern der ganze.

White Land Rover on the unsurfaced rim track high above the Atlantic, São Miguel
Green coastal ridge and cliffs falling to the Atlantic on the west of São Miguel

Was an den Seen nicht erlaubt ist

Baden ist verboten. Die Bewirtschaftungspläne für die Einzugsgebiete der Seen von São Miguel, Sete Cidades eingeschlossen, schließen die Badenutzung ausdrücklich aus; am Ufer stehen entsprechende Schilder. Es halten sich nicht alle daran, und es hat hier Tote gegeben.

Freies Zelten rund um den See ist ebenfalls nicht erlaubt. Es gibt einen offiziellen Platz, die Zona de Campismo das Sete Cidades im Dorf, mit einfachen Sanitäranlagen und Kaltwasser. Wer individuell reist und sich ein Zelt am Ufer vorgestellt hat: Das ist die einzige legale Variante davon.

Fotografische Notizen

Das Problem an Sete Cidades ist nicht, die Aussicht zu finden. Es ist, dass die Aussicht riesig ist und die Kamera sie flach macht.

Von der Vista do Rei braucht das klassische Bild — beide Seen, der Damm, das Dorf — etwas im Vordergrund, damit der Absturz überhaupt einen Maßstab bekommt. Hortensien auf dem Rand leisten das, die Pistenkante auch. Ohne Vordergrund liest sich die Aufnahme als Postkarte in Grün.

Die Bilder, die ich wieder so machen würde, waren nicht die berühmten. Sie entstanden auf der Randpiste: der Wagen vor mir auf der unbefestigten Kante, achthundert Meter darunter der Atlantik — und die Lagoa de Santiago als dunkler Kreis über den großen Seen. Beide gibt es nur, weil der Geländewagen dort halten konnte.

Zur Tageszeit: Eine Abfahrt am Vormittag hat die Sonne für den nordwestlichen Teil des Randes im Rücken und an der Vista do Rei mehr oder weniger im Objektiv. Wer die Wahl hat, nimmt den früheren Termin.

Lagoa de Santiago in the foreground with Lagoa Azul and the Atlantic behind, Sete Cidades
Wind-shaped tree on the shore of the Sete Cidades lake below the crater wall

Wie viel Rückkehrpuffer braucht man?

Vierzig Minuten zurück zu einem Terminal, das mitten in der Stadt liegt. Beim Schiffsausflug ist der Puffer nicht das eigene Problem; auf eigene Faust sollte man eine Stunde vor All-aboard am Hafentor sein — und mehr einplanen, wenn man den PR4 gelaufen ist und auf ein Taxi aus dem Dorf angewiesen ist.

Wir waren um Viertel nach zwölf zurück an der Gangway. Der Krater bleibt, was er ist: die Form, die ein Berg hinterlassen hat, als er verschwand.

Quellen: Sete Cidades Massif — Kratermaße und Einbruchphasen · Lagoa das Sete Cidades — Fläche, Tiefe, Höhenlage · Igreja de São Nicolau — Gelübde, Architekt, Weihe 1857 · Vista do Rei und das Hotel Monte Palace · PR4 SMI Mata do Canário – Sete Cidades · Turismo dos Açores — Campingplatz Sete Cidades · Direção Regional dos Recursos Florestais — Kryptomerie auf den Azoren · Açoriano Oriental — Badeverbot in den Seen von São Miguel

Mehr dazu: Alle Landausflüge auf eigene Faust · Lagoa do Fogo ab Ponta Delgada — Tag eins desselben Anlaufs · Mehr von den Azoren · English version: Sete Cidades from Ponta Delgada

Geschrieben von Jan Madeus — seit 2008 als Videograf an Bord. Ich gehe in denselben Häfen von Bord wie die Gäste, mit denselben paar Stunden und demselben Abgabetermin. Mehr über mich.

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